Ah, Venedig!

Für Ende Mai hatten wir schon seit längerem einen mehrtätigen Fliegertrip geplant und Frankreich war als sicheres Ziel auserkoren. Einige Tage vor Abflug machte sich aber ein stabiles Hoch in Mitteleuropa breit, wodurch auch eine Alpenüberquerung machbar erschien und damit ein Flug nach Slowenien oder Italien, was schon lange auf meiner „bucket-list“ stand. Das schöne am Fliegen im Verein ist, dass man Vereinskollegen anrufen und um Rat fragen kann. Und so bekamen wir die Empfehlung, doch mal nach Venedig zu fliegen und gleich mit einer Hotelempfehlung. Nach einem Anruf im Hotel und der Auskunft, dass sogar noch ein Zimmer frei ist, war die Entscheidung dann gefallen.

Es ging morgens in Speyer los mit einem Flug nach Mengen-Hohentengen, wo wir sehr freundlich empfangen wurden und wir noch einmal getankt haben.

Von Mengen ging es im langsamen Steigflug an Füssen vorbei über die GAFOR-Route entlang Reutte Richtung Inntal. Innsbruck Radar genehmigte dann den Durchflug über Sierra Richtung Brenner in FL95. Da es fast windstill war, konnten wir das tolle Panorama genießen.

Nach der Brennerüberquerung war zunächst (erwartungsgemäß) Padova Info nicht erreichbar, also ging’s erstmal weiter bis wir dann Bolzano Tower erreichten, die uns eine Clearance bis Vincenca VOR gaben, wo wir schnell von FL95 auf unter 4500 ft sinken mussten.

Bis zum Einflugpunkt „Padova Est“ der CTA Venedig mussten wir dann unter 1500ft weiter runter und entlang der Meldepunkte PZS4 und PZS3 den Lido entlang fliegen. Lido Information war während unserer Landung nicht besetzt (immer Dienstags) sodass wir mit Blindmeldungen in der Platzrunde landen und den Flieger parken konnten. Nach der Landung beeindruckte uns auch das tolle Art-Deco Gebäude des Flugplatzes, der von 1926 bis 1953 der Verkehrsflughafen Venedigs war. Wer Hayao Miyazakis Anime „Porco Rosso“ kennt, fühlt sich ein wenig in die goldene Zeit der Flugboote an der Adria und der Schneider Trophy zurückversetzt.

Danach war noch genug Zeit um den Lido zu erkunden und den Abend an der Lagune mit einer leckeren Pizza ausklingen zu lassen.

Am nächsten Tag hatte sich das Wetter komplett geändert und morgens regnete es und gab einige Gewitter. Dennoch hielt dies uns nicht ab und wir genossen wir den Besuch in Venedig und Murano in vollen Zügen, mittags kam dann wieder die Sonne raus und der Rest des Tages war einfach nur schön.

Der Wetterbericht am nächsten Tag sagte ein fliehbares Fenster bis etwa mittags voraus und dann erneut Gewitter für die nächsten Tage. Die Alpenüberquerung war allerdings noch nicht gesichert machbar. Also entschlossen wir uns für einen frühen Abflug nach Trento. Vor dem Flugplatzgebäude versammelten sich kurz vor 09:00 Uhr eine ganze Reihe deutscher Crews, die alle schnell zurück wollten. Aber der Flugplatz öffnet ganz strikt erst um 09, so kamen wir ins Gespräch und viele hatten den gleichen Plan wie wir. Der Flug nach Trento verlief problemlos über die gleiche Route wie auf dem Hinweg, allerdings mussten wir aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens in einen sehr langen Gegenanflug. Als wir dann endlich für den long final gecleared waren, drehte ein anderes Flugzeug kurz vor uns aus dem Quereinflug ein und zwang uns zu einem go-around.

An der Tankstelle in Trento fanden sich dann viele der Venedig-crews wieder in der Schlange. Dass der Sprit in Trento sehr günstig ist, scheint kein Geheimtipp zu sein und so wollten viele vor der Rückkehr nach Deutschland noch einmal die Tanks füllen. Da man am Automaten immer nur für 100 Euro tanken kann, dauerte es recht lange bis alle ihre Tanks gefüllt hatten.

Nach einer kurzen Stärkung im Restaurant ging es dann weiter zurück nach Deutschland, diesmal waren die Alpen, nachdem am Vortag eine Kaltfront durchgezogen war, deutlich ungemütlicher als auf dem Hinweg und es wurde dann sehr turbulent. Die Wolkenbasis war jedoch hoch genug, um den Brenner wieder mit genug Luft unter den Rädern zu überfliegen, der Flug ließ aber erahnen wie schwierig das Fliegen in den Bergen sein kann.

Erst im Allgäu verschwanden die Wolken und der Rückflug war dann im weiteren Verlauf sehr angenehm.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass wir einen tollen 3-Tages Kurztrip erleben konnten. Vielen Dank für den Hinweis und auch wenn es eine der Topdestinationen und kein echter Geheimtipp ist, zum Nachmachen empfohlen. Über Venedig finden sich viele Zitate in der Literatur aber ich schließe mit einem von Indy Jones „Ah, Venedig!“